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Antipsychiatrie


Antipsychiatrie.
Wer den Begriff nicht kennt, oder ihn vielleicht nur mal im vorbeigehn aufgeschnappt hat, vermutet dahinter vielleicht eine Ablehnung jeglicher Art von Hilfen, die es für „psychisch kranke“ Menschen so gibt; ein „dagegen sein“ bei allem was mit Psychiatrie, Diagnosen, Therapie zu tun hat oder auch das Bestreiten, dass es sowas wie psychische Krankheiten überhaupt gibt.
Die Antipsychiatrie aber ist ein sehr weites Feld, und sicherlich gibt es Strömungen auf die Obiges mehr oder weniger zutrifft. Damit es zu keinen Missverständnissen kommt, wollen wir hier deutlich machen, was hier im SBK unter dem Begriff „Antipsychiatrie“ verstanden wird; wie unsere Haltung, Einstellung ist und auch in welchen Punkten wir andere Ansichten haben als gewisse antipsychiatrische Strömungen (Stichwort: Verbindung einer antipsychiatrischen Organisation zu Scientology). Natürlich muss dazu gesagt werden, dass auch wir hier nicht alle derselben Meinung sind, sondern sowohl radikalere als auch weniger radikale Standpunkte zu finden sind. Die Grundrichtung jedoch ist die Selbe.

Gegen Zwang in jeder Form und für die absolute Freiheit des Individuums.

Einige von uns haben „Zwangsmaßnahmen“ am eigenen Leib erlebt, andere haben sie miterlebt bei anderen Menschen, wieder welche wurden bisher von solchen Erfahrungen verschont.
Unter Zwangsmaßnahmen verstehen wir vor allem die Zwangseinweisung, die sich auf Fremdgefährdung, das heißt der Gefährdung der Gesundheit und des Lebens anderer Personen, oder der (bei uns häufiger anzutreffenden) Eigengefährdung, das heißt die Gefährdung der eigenen Gesundheit, des eigenen Lebens, beruft.
Aber auch die Folgemaßnahmen wie Fixierung (Fesseln ans Bett), zwangsweise Gabe von Psychopharmaka (bewusstseinsverändernde Substanzen), absolute Überwachung, Entmündigung (neuerdings beschönigend „gesetzliche Betreuung“ genannt), Verlust der Selbstbestimmung über das eigene Leben, den eigenen Körper.

Wir denken, jeder Mensch sollte frei sein.
Und jeder Mensch sollte Menschenrechte haben.

Zwar fordert die „zivilisierte“ Gesellschaft immer wieder Menschenrechte in China, Russland, vielen islamisch geprägten Ländern usw. (was sicher richtig ist!), vergisst dabei aber leider dass es an ihrem eigenen Rand Wesen gibt, sogenannte psychisch Kranke, die auch, man höre und staune, Menschen sind und somit auch so behandelt werden sollten!

Freiheit ist ein Grundrecht, sollte es zumindest sein. Bei Menschen die nicht der Norm entsprechen, darf diese Freiheit aber offenbar eingeschränkt werden.
Das man Kleinkinder nicht tun lassen kann, was sie wollen erscheint verständlich, Erde essen ist nur bis zu einem gewissen Maß gesund, aber erwachsenen und fast erwachsenen Menschen vorschreiben zu wollen wie sie sich bitteschön zu verhalten haben, wie sie mit sich, ihrem Leben und ihrem Körper umzugehen haben, das ist anmaßend, grenzverletzend, autoritär. Das steht dem Staat, der Gesellschaft, einfach nicht zu.
Jeder Mensch ist für sich und sein Leben selbst verantwortlich. Eigenverantwortung nennt man das auch. Und wenn ich mich entscheide ab und zu meine Haut aufzuschneiden und auch nichts daran ändern möchte dass ich es tue dann hat mir niemand, kein Arzt, kein Therapeut, kein Richter, es zu verbieten! Man kann mich drüber aufklären was es für gesundheitliche Folgen hat, genauso wie tagtäglich über die Folge von Zigaretten- und Alkoholkonsum aufgeklärt wird, aber ob ich es tue oder nicht und in welchem Maße bleibt meine persönliche Angelegenheit.

Natürlich ist das Aufschneiden der Haut, SVV, nur ein Beispiel unter vielen. Dasselbe gilt für alle anderen sogenannten „selbstschädigenden“ Bereiche, vom nicht-essen über „Drogen“ konsumieren hin zum Suizid.
Niemand hat mich gefragt ob ich geboren werden möchte, also brauche ich auch niemanden fragen ob ich wieder gehen darf.
Natürlich ist es nicht sinnvoll, sich beim ersten Liebeskummer zu töten (womit ich nicht den Schmerz durch Liebeskummer herabwürdigen will!). Aber wieso will man Menschen die Jahre, Jahrzehnte an Therapien, stationär und ambulant, oder auch sonstige „Hilfen“ hinter sich haben und immer noch unerträglich leiden, dazu zwingen weiter zu „leben“, weiter zu leiden? Menschen die sogar von Psychiatern, Therapeuten gesagt bekommen sie werden bis an ihr Lebensende mit ihren Problemen leben müssen, sie seien unheilbar „krank“, wieso will man solche Menschen mit den entwürdigsten Mitteln zwingen am Leben zu bleiben wenn es doch ihr größter Wunsch ist, würdig von dieser Welt zu gehen?

Für Menschen die sich töten (wollen) ist ihr Leiden unerträglich!

Egal wie groß oder klein dieses Leiden Außenstehenden erscheint, es ist subjektiv nicht aushaltbar, nicht überlebbar. Gefühle lassen sich nicht objektivieren, auch nicht durch Therapien und Psychopharmaka. Wer will sich das Recht nehmen zu urteilen, ab wann das Leid groß genug ist, welche Person sich umbringen darf und welche nicht?
Aufklärung, Hilfsangebote, Beistand ja!
Aber kein Zwang!

Therapie, auch stationär, für manche ist das sicherlich ein guter, richtiger Weg, und sie können irgendwann sagen „jetzt ist mein Leben wieder lebenswert“. Aber wenn ein Mensch merkt dass dieser Weg durch die verschiedenen Hilfsangebote für ihn persönlich nicht hilfreich, nicht akzeptabel, nicht gehbar ist, dann soll er auch das Recht haben, auszusteigen aus diesem Hilfesystem und seinen persönlichen Weg zu gehen, wo immer der ihn auch hinführen mag.

Eine Therapie, wie wir sie uns vorstellen, in der die Patienten Kunden sind die vom Therapeuten bestimmte Leistungen bekommen können, mit dem Therapeuten zusammen Ziele zu erreichen versuchen, welche sie selbst festlegen, bestimmen können, nicht welche die von sogenannten Fachleuten als wünschenswert, erstrebenswert, als „Norm“ vorgegeben werden und vielleicht garnicht unseren Vorstellungen von persönlicher Zufriedenheit entsprechen, die scheint im aktuellen System leider nicht durchführbar.
Oft bedeutet das Aussteigen aus dem Hilfesystem ja nicht die völlige (Selbst)aufgabe, das hingeben in die Probleme, schlussendlich den Suizid, sondern einfach ein Leben außerhalb der Norm. Und auch das muss erlaubt sein in unserer ach so freien Gesellschaft, ohne dass gleich Psychiater, Betreuer, Richter hinter einem herrennen und einen zurück ins System zwingen wollen.

Es gibt nicht nur einen richtigen Weg, auch wenn einem das in Psychiatrien und Therapien so suggeriert wird. Jeder Mensch muss um zufrieden zu werden seinen persönlich „richtigen“ Weg finden. Nur leider wird einem das extrem schwer gemacht, wenn es nicht ein Weg ist, der gesellschaftlich akzeptiert wird.
Aber wir wollen uns nicht zwangsnormalisieren lassen.

Wir sind keine kranken Objekte mit denen Psychiater, Ärzte, die, die Macht haben, machen können was sie wollen. Wir sind bunte Individuen, wir sind genauso normal und verrückt wie jeder Mensch auf dieser Erde normal und verrückt ist, einziger Unterschied vielleicht dass unsere Arten der Verrücktheit mehr auffallen, gesellschaftlich nicht toleriert werden, als krank bezeichnet werden und uns selbst manchmal auch einschränken, und Probleme machen.
Ja, wir haben Probleme! Und ja, wir machen auch Probleme!
Aber wir sind keine Probleme!
Und deswegen wollen wir auch nicht als Problem behandelt werden sondern als Mensch.

Individuell.

Diagnosen, Krankheitsbegriffe, sie schubladisieren uns, ordnen uns einer Masse an kranken Etwas zu, versuchen uns zu kranken, unmündigen Objekten zu machen, welche die man nicht ernst nehmen braucht, auf die man nicht hören muss. Das wir trotz Diagnosen, die oftmals nicht mehr als fachliche Beschimpfungen sind, Menschen sind, die genauso unterschiedlich sind wie jeder Mensch zu anderen unterschiedlich ist, wird dabei vollkommen übersehn.

Lasst uns das Recht zum Anderssein in Freiheit!